Nun mal nicht überbewerten

Steve Jobs, der vor gut einem halben Jahr mit gerade einmal 56 Jahren verstorbene Mitbegründer des Technikriesen Apple, hat die Computer-Industrie verändert. Doch anders als andere sehe ich keinen direkten Einfluss von Steve Jobs auf die Autoindustrie.

Sicherlich, immer mehr Hersteller integrieren in ihre Fahrzeuge Schnittstellen, um die Fahrzeuge mit unseren modernen elektronischen Wegbegleitern zu koppeln. Was zunächst mit der Akustikschnittstelle AUX begann, um den Inhalt des eigenen MP3-Players auch während der Autofahrt wiedergeben zu können, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einer umfassenden Verbindung.

Es ist schon lustig, wie man mit seinem iPhone die neuen BMW-Fahrzeuge aus der Ferne den Wagen öffnen oder die Hupe betätigen kann. Das erinnert manchmal an James Bond. Doch während 1997 bei den Dreharbeiten zum Film „Der Morgen stirbt nie“ noch ein Stuntman Bonds BMW 750iL (E38) im Liegen steuerte, könnte es heute – angesichts der in den Fahrzeugen verbauten Assistenzsysteme – mit der passenden App zur Realität werden, seinen Wagen genauso durch Herdecke oder Hameln zu steuern, wie James Bond einst seinen Siebener durch Hamburg „lenkte“.

Trotzdem würde ich, anders als der US-Motor-Journalist Paul Eisenstein oder der deutsche Blogger Björn Gutmann den Einfluss von Steve Jobs auf die Autoindustrie nicht überbewerten. Denn die Autohersteller wissen, dass die Jugend zunehmend die Lust am Auto verliert. Die ab 1980 geborene „Generation Facebook“, die immer mehr mit dem Handy und dem Laptop Kontakt zur Welt hält, giert immer weniger nach einem individuellen Transportmittel.

Besonders in den Städten beobachten Soziologen bereits seit circa 15 Jahren einen deutlichen Trend zur „Demotorisierung“. Gut ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel ermöglichen es hier, ohne Auto zu leben. Wer da noch auf Auto setzt, der soll sein Fortbewegungsmittel auch als Lebensraum nutzen können. Er soll erreichbar und den Kontakt zur Außenwelt nicht verlieren, nur weil er gerade mal mit dem Auto unterwegs ist.

Insofern ist die heute mögliche Kopplung wahrscheinlich eher die Antwort der Automobilhersteller auf die Smartphone-Welle, die unsere Gesellschaft erreicht hat, und der Einfluss von Steve Jobs auf die Autoindustrie eher ein Indirekter. Wobei zweifelsfrei richtig ist, dass der Auto-Industrie im Angesicht der anstehenden Zeitenwende ein paar Visionäre wie Steven Jobs helfen würden, um das Auto und unsere Mobilität weiterzuentwickeln.

In diesem Sinne – frei nach Loriot – ein Leben ohne Auto ist möglich, aber sinnlos.

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