Das Oldtimer-Revier beschäftigt sich hauptsächlich mit Fahrzeugen der Vergangenheit. Trotzdem sind wir auch neuen Techniken gegenüber aufgeschlossen. Deshalb haben wir vor kurzem gebannt in die Niederlausitz geblickt. Auf dem „EuroSpeedway Lausitz“ fand der „Shell Eco Marathon Europe“ statt. Bei diesem Wettbewerb geht es im Kern darum, eine möglichst weite Strecke mit dem energetischen Gegenwert eines Liters Sprit zu fahren.
Weil Sie sich für ein Energiesparer halten, weil Ihr modernes Straßenfahrzeug nur noch fünf Liter für 100 Kilometer verbraucht. Nun denn, das ist dann doch wohl eher eine Frage des Standpunkts. Denn bei Ihnen reicht ein Liter Sprit für 20 Kilometern. Beim „Shell Eco Marathon Europe“ gewinnen Sie damit keinen Blumentopf. Denn die Sieger der 2010er Ausgabe, das französische Team der Technischen Hochschule "Lycee la Joliverie" in Nantes, kann mit dem energetischen Gegenwert eines Liters Sprit 4896 Kilometer weit fahren.

Fahrzeug beim „Shell Eco Marathon Europe“ – der Sax 2 des Teams Fortis Saxonia
Die Franzosen nutzten dazu ein Fahrzeug in dem ein Brennstoffzellen-Antrieb für den notwendigen Vortrieb sorgt. Dabei ist den Franzosen mit ihrem Prototypen offensichtlich ein Quantensprung gelungen. Denn das Team aus dem Département Loire-Atlantique konnte die mit vergleichbarer Technik angetretenen Zweitplatzierten von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien aus dem baden-württembergischen Offenburg um 2101 Kilometer abhängen.
Nun gut, der Einwand ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Veranstalter des „Shell Eco Marathon Europe“ haben dies erkannt und ihren Wettbewerb in zwei Klassen ausgeschrieben. Neben Prototypen gibt es die Klasse der „UrbanConcept Cars“. Sie müssen zumindest äußerlich an Straßen-Pkw erinnern und eine gewisse Alltagsfähigkeit mitbringen. Auch ihre Leistungen können sich sehen lassen. Denn die Niederländer des Teams "De Haagse Hogeschool" konnten mit ihrem „UrbanConcept Cars“ und einem Liter Kraftstoff immerhin 691 Kilometer zurücklegen. Dies entspricht einem Verbrauch von 0,145 Litern auf 100 Kilometern.
Man muss sich das einfach mal vor Augen führen: Mit ihren fünf Litern, die Sie für 100 Kilometer benötigen, wären die Niederländer also 3455 Kilometer unterwegs. Trotzdem wird der abgeneigte Kritiker jetzt anführen, dass auch die „UrbanConcept Cars“ meist weit von einer echten Alltagstauglichkeit entfernt sind. Doch das sind viele Klassiker, denen das Oldtimer-Revier ansonsten seine Aufmerksamkeit schenkt, auch. Und es mindert nicht die Faszination, die von diesen Energiesparwundern oder jenen Klassikern ausgeht.
Doch es gibt noch eine andere Parallele. Denn die Teilnehmer setzen neben knappen Fahrzeugkleider, die dem Fahrwind nur einen geringen Widerstand bieten, konsequent auf das Prinzip Leichtbau. Und hier schlägt sich quasi „en passant“ eine prima Brücke in die Vergangenheit. Denn wer sich die Konstruktionen von Legenden wie Colin Chapman einmal genau ansieht, der erkennt viele Parallelen zu den Konstruktionen, die vor wenigen Tagen in der Lausitz unterwegs waren.
Bisher kommentiert:
Thursday, den 27. May 2010 um 11:36
Thursday, den 27. May 2010 um 18:29
Sunday, den 30. May 2010 um 16:26
Dein Kommentar?