Es gibt Städte, zu denen empfindet man zunächst wenig. Bremen ist so ein Fall. Das vergangene Wochenende hat dies verändert, denn während der „Bremen Classic Motorshow“ hat sich mein Bild geschärft. Einer gut verlaufenden Messe und einer feinen privaten Unterkunft steht ein eindeutiges Bild gegenüber: Bremen ist für mich die Servicewüste der Republik!
Versteht Ihr nicht? Dann will ich mal versuchen, zu erzählen. Das erste Erlebnis hatten Faxe, Tina, Stephan und Bobo, die bereits am Donnerstag ihren Stand auf der „Bremen Classic Motorshow“ aufgebaut haben. Gegen 22:20 kehrten sie in ihr Hotel zurück, um festzustellen, dass das Hotel-Restaurant zu dieser Zeit keine Bestellungen mehr annimmt Die Küche habe nur bis 22:30 geöffnet und so kurz vor Torschluss könnte man ja dem Gast nicht erst noch erklären, was denn schon alles vergriffen sei. Die Bevorratung scheint ein Thema zu sein, dass in Bremen offensichtlich nicht nur im Bremer Ableger einer nach dem Meer benannten Hotelkette Probleme bereitet. Bei der Warendistribution ist man in der Gastronomie der alten Hansestadt sehr genau und teilt dies mit einem gewissen Stolz gern auch dem Kunden mit, wie wir im Laufe des Wochenendes noch erfahren sollten. Offensichtlich folgt man hier noch alten hanseatischen Kaufmannstraditionen – zur Not bis zur Selbstaufgabe.
Denn für den zweiten Messeabend hatten wir einen Tisch in einem – laut Eigenbeschreibung „Restaurante / Pizzeria“ genannten – „Gasthaus“ bestellt. Weil die Betreiber dieser Nahrungsausgabe ausdrücklich darum gebeten hatten, sie zu informieren, wenn sich die Zahl der Gäste noch verändern würde, riefen wir sie circa 90 Minuten vor dem Termin an, um mitzuteilen, dass insgesamt 14 Plätze benötigt würden. Das waren drei oder vier mehr, als ursprünglich bestellt.
Eigentlich sollte man meinen, dass die Aussicht auf mehr Gäste jeden Gastwirt erfreuen würde. Doch weit gefehlt, nicht in diesem Fall! Mehr als 12 Gäste könne man nicht beherbergen wurde uns am Telefon barsch beschieden. Auf unsere Zusage, gern auch zusammenzurücken, wurde das Telefongespräch mit einem ohne weiteren Gruss aufgelegten Hörer beendet. Vielleicht hätte man an dieser Stelle die Geschichte beenden sollte. Es wäre Schade gewesen, denn das „Beste“ lag zu diesem Zeitpunkt noch vor uns.
Exkurs: Taxifahrer in Bremen müssen das Ziel nicht kennen!
Kurz vor dem anstehenden Restaurantbesuch bestellten wir ein Taxi, um von unseren Gastgebern zum Restaurant zu fahren. Das Taxi war innerhalb weniger Minuten da, doch der Fahrer zeigte sich unwillig / unfähig. Er wäre sich nicht sicher, wo das von uns genannte Ziel sei. Das müssten wir ihm schon genauer sagen. Nun man mag unterschiedlicher Meinung sein, was genau ist. Da wir die Geokoordinaten des gewünschten Ziels gerade nicht zur Hand hatten, beschränkten wir uns auf die Straße inklusive Hausnummer sowie den Namen des Restaurants. Doch diese Angaben erfüllten offensichtlich die Genauigkeitsdefinition dieses Taxifahrers nicht. Die Straße sei schließlich geteilt; er könne doch nicht alle Restaurants in Bremen kennen.
Immerhin hatte das Schlitzohr, so etwas wie Humor. Denn höflich, wie wir manchmal sind, stellten wir uns beim Einsteigen zunächst einmal vor. Auf mein Kräftiges “Guten Abend, Müller mein Name”, antwortete der Herr mit “Mein Name ist Taxifahrer”. Eine Aussage, die sich schnell als genauso falsch wie unser “Müller” erweisen sollte. Denn das Hightech Taxameter wies den Namen des jungen Mannes eindeutlich mit “Fahrer 3217″ aus. Am Ende der Fahrt blieb der Eindruck, dass der gute Mann uns schlicht und einfach verarscht hat. Denn das von ihm angesteuerte Ziel lag natürlich am falschen Ende der Straße. Das Ansteuern des richtigen Ziels hätte, dank der Einbahnstraßen in dem Viertel, seine Fahrtstrecke wesentlich verlängert. Wir haben die Sache dann beendet und sind ein gutes Stück zu Fuß gelaufen. Dabei konnten wir online prüfen, welchen Platz Bremen im ADAC-Taxi-Test belegt hat. Gar keinen, da sind nämlich nur Großstädte dabei, aber vielleicht gibt die große Schwester Hamburg da ja den Trend vor.
Am Ziel: ein Restaurant, in dem Gäste nicht willkommen sind!
In Zeiten in den Unternehmen zur Gemeinschaftsverpflegung überwiegend nach ihrem Inhaber benannt werden bzw. Tätigkeitsbeschreibungen wie „Pizzeria“ oder „Osteria“ im Namen tragen, gerät das gute alte Wort vom „Gasthaus“ immer mehr in Vergessenheit. Schade, denn in „Gasthaus“ steckt das Wort „Gast“, das einen zum Bleiben eingeladenen Besucher bezeichnet. Was immerhin irgendwie suggeriert, wenigsten etwas willkommen zu sein. Nach den Erlebnissen in Bremen stellt sich die Frage, warum „Gastwirte“ heute so gern auf die Bezeichnung „Gasthaus“ verzichten nicht mehr.
Denn wir mussten tatsächlich erleben, dass man es am Telefon Ernst gemeint habe, mit der Aussage nur zwölf Personen bewirten zu wollen. Nur widerwillig fand das Personal eine Lösung, unsere 14 Personen umfassende Gesellschaft im „Gastraum“ unterzubringen. Und es stellt sich die Frage, warum die Speisekarte ausdrücklich dafür wirbt, Gruppen von bis zu 48 Personen in dem Haus zu bewirten.
Nach dem sich unsere kleine Reisegruppe endlich gesetzt hatten, teilte der Chef – mit einer gewissen Theatralik – die Speisekarten aus. In guten Tagen wahrscheinlich ein liebenswerter Programmpunkt der Gesamtinszenierung. Bei uns ging dieser Auftritt des Chefs gründlich in die Hose. Denn nach der feierlichen Übergabe der zweiten oder dritten Speisekarte teilte der Chef gestenreich mit: „”So viele Personen?!? Da kann ich keine Pizza machen! Pizza geht nicht für 14 Personen“.
Sicherlich ein ungewöhnlicher Ansatz für ein „Gasthaus”, das sich Pizzeria nennt.
Der Chef begründete seine barsche Ansage übrigens damit, dass er nur eine kleine Küche habe. Da könne er nicht 14 Pizzen auf den Punkt zubereiten. Am Ende sagen wir dann, dass das Essen schlecht war. Was uns von einer Rückkehr abhalten könne. Der Ansatz ist ja gar nicht schlecht, wurde nur völlig untauglich vorgetragen. Immerhin – ich mag das – blieb der Herr konsequent. Die Diskussion darüber, ob sich vielleicht eine Teilmenge der Besucher für eine Pizza entscheiden könne, lehnte der Herr rundweg ab: „Keine Pizza, sei keine Pizza!“
Für uns war der skurrile Auftritt ein Grund darüber nachzudenken, ob wir den Laden wechseln sollten. Doch angesichts der Außentemperaturen von -2 Grad entschieden wir uns dafür, diesen Spaß jetzt bis zum Ende zu genießen. Es sollte sich durchaus lohnen, denn das Essen erwies sich im weiteren Verlauf als wirklich gut. Weil keine Pizza im Angebot war entschieden wir uns für andere Gerichte. Doch auch dies sollte keine leichte Entscheidung werden, weil es weitere Einschränkungen gab.
Schon während an unserem Tisch die Karte studiert wurde, überlegten wir, wie viele Portionen Lasagne wohl möglich seien. Womit wir voll ins Schwarze getroffen hatten. Denn nachdem die ersten Bestellungen dieses Nudelauflaufs erklungen waren, rief der Chef laut „STOP!!!“, um mit schnellen Schritten und natürlich ohne jede Erklärung den Tisch zu verlassen. Nach rund einer Minute kehrte der Chef mit der Erklärung zurück, dass der Vorrat seiner Küche nur insgesamt vier Portionen Lasagne hergeben würde. Er war umsonst gerannt, denn komischerweise entschieden sich alle weiteren Gäste für ein anderes Gericht.
Irgendwie brachte der Chef dann tatsächlich alle Essen zeitgleich auf den Tisch. Womit er ja den von ihm definierten Anspruch erfüllt hat. Trotzdem werden wir nicht wiederkommen. Denn auch im weiteren Verlauf des Abends blieb das Serviceverhalten an vielen Stellen indiskutabel und an vielen Stellen nicht nachvollziehbar. Die Kellnerin brach irgendwann eine bizarre Diskussion darüber vom Zaun, dass der Tisch von einem Mann bestellt wurde, die Veränderung der Personenzahl aber von einer Dame mitgeteilt wurde. Irgendwann mussten wir uns vorwerfen zu lassen, dass es nicht die Schuld des Restaurants sei, wenn wir einfach mit mehr Gästen kommen würden.
Wir versuchten, diese offensichtlich von einem absurden Theaterstück motivierten „Unterhaltungselemente“ so weit es geht zu ignorieren und hatten trotz allem einen wirklich schönen Abend. Zudem wissen wir, welchen Laden wir bei unserem nächsten Besuch in Bremen meiden werden. Denn wir wollen doch nicht stören. Vielleicht finden wir ja sogar einen Laden, der zeigt, dass Bremen doch keine Servicewüste ist.




Na dann hättet ihr ja viel Spaß entlang der Messe!!!
is das geil, wäre ich sehr sehr gerne dabei gewesen
))