Lotus Mark VI – Der ältere Bruder

Den Lotus Seven kennt fast jeder Oldtimer-Liebhaber. Der 1957 vorgestellte Rennwagen für die Straße gilt bis heute als das Vermächtnis des Leichtbau-Fans Colin Chapman. Doch der Seven war im Grunde “nur” eine Weiterentwicklung des Lotus Mark VI, den Chapman bereits fünf Jahre früher vorgestellt hatte. Dieser Sportwagen war das erste unter dem Namen Lotus verkaufte Fahrzeug bzw. Bausatz. Und bereits der Lotus Mark VI definierte die Eckpunkte, die den Lotus Seven so erfolgreich machen sollten: klein, leicht und schnell.

Lotus Mark VI

Vor einigen Tagen hatte das Oldtimer-Revier beim Presserundgang auf der Essen Motorshow die Gelegenheit, sich diesen ersten “Serien-Lotus” einmal genauer anzusehen. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass der Lotus Mark VI für heutige Verhältnisse fast winzig klein ist. Der Fahrer des Lotus Mark VI – oder sollte man hier tatsächlich besser von einem Piloten sprechen – sitzt fast ungeschützt im Fahrwind. Das Cockpit begrenzt nur eine kleine Windschutzscheibe wie man eher an einem Flugzeug aus der Frühzeit der Luftfahrt erwarten würde.

Eine hübsche Aluminium-Karosserie, die vom Karosseriebauer Williams und Prichard gebaut wurde, kleidet den Lotus Mark VI ein. Fast verspielt wirken die Abdeckung der Vergaser – über denen Chapman dem knappen Kleid eine Ausbuchtung spendiert hat – und die Verkleidung der Hinterräder. Sie laufen beim Lotus Mark VI unter einer aerodynamischen Abdeckung. Insgesamt wirkt die Aluminium-Karosserie als ob sie keinen Platz verschenkt und sich eng an den tragenden Gitterrahmen schmiegt. Dieser von der Firma Progress Chassis gebaute Rahmen wiegt nach Angaben zeitgenössischer Beobachter gerade einmal 55lbs, also 25 kg.

Neben dem Bekenntnis zum Leichtbau setzte der Lotus Mark VI mit seinem guten Fahrwerk Trends. Die fortschritliche Vorderradaufhängung bestand aus Einzelradaufhänungen. Auf unserem Foto sind deutlich der Stabilisator und die McPherson-Federbeine zu erkennen.

Vorderachse des Lotus Mark VI

Für den notwendigen Antrieb sogte hauptsächlich der 1172 ccm große Motor des Ford Model C Ten. Doch der Rahmen hatte von Beginn an Befestigungspunkte für unterschiedliche Motoren.Die Kunden konnten als Alternative zum kleinen Ford-Motor in ihren Lotus Mark VI auch die Motoren aus dem MG TF (mit 1250 ccm oder 1500ccm) oder dem Ford Consul (1500 ccm) einbauen. Für den Einsatz im Motorsport war zudem der Einbau eines Motors von Coventry Climax möglich. Damit sorgte im Lotus Mark VI ein damals aktueller Formel 2 Motor für den notwendigen Vortrieb.

Insbesondere mit Motoren von Coventry Climax besiegten die Lotus Mark VI im Motorsport Großbritanniens der frühen 1950er-Jahre regelmäßig leistungsstärkere und meist auch deutlich teure Autos. Zu den Piloten, die einen Lotus Mark VI als Sportgerät bewegten, gehörte der Fabrikant Edward Lewis. Dieser nahm mit seinen Lotus Mark VI an Bergrennen teil und hatte einige eigene Ideen zur Verbesserung des Rennwagens entwickelt. Im Dialog mit Colin Chapman spendierte Lewis seinem “Edward Lewis Special” genannten Rennwagen einen steiferen Gitterrahmen und änderte die Hinterachse.

“Win in Sunday, sell on Monday!”

Das Fahrzeug war noch erfolgreicher als der Standard Lotus Mark VI und gewann als “Edward Lewis Special” einen gewissen Bekanntheitsgrad. Dies gefiel Colin Chapman nicht, denn Chapman hatte den Zusammenhang zwischen Sporterfolgen und Verkäufen erkannt. Also sollten die Sporterfolge seiner Fahrzeuge die Marke Lotus beflügeln. Daher bot Chapman seinem Kunden Lewis die Rücknahme des “Edward Lewis Special” an und stellte im als Gegenleistung einen neuen Lotus zur Verfügung.

Im Kern handelte es sich auch bei diesem Fahrzeug um einen weiteren – nach dem Vorbild des “Edward Lewis Special” – modifizierten Lotus Mark VI. Doch Chapman gab dieses Fahrzeug als Prototypen eines Lotus Seven aus. Die Rechnung ging auf. Auch der Seven feierte in der Hand von Edward Lewis einige Erfolge. Und ein gutes Jahr später flossen die Veränderungen des Prototypen in die Serienproduktion der Bausätze ein, die nun tatsächlich als Lotus Seven verkauft wurden.

  1. AnonymousAnonymous23 12 2009

    Mich interessieren die Motoren von Coventry Climax. Hast Du etwas dazu?

  2. AnonymousAnonymous26 12 2009

    Interessantes Thema, da könnte man wirklich mal etwas zu machen.

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