Oldtimer-Revier

Ohne Leitplanke 2 – Der Biosprit-Wahnsinn

veröffentlicht am 07.11.2010, 11:36

In diesen Tagen häufen sich die Pressemitteilungen und Nachrichten über den Biospirt E10, der ab dem 1. Januar 2011 an unseren Tankstellen verfügbar sein wird. Immerhin 10 Prozent der Fahrzeuge können diesen Kraftstoff nicht vertragen. Wie steht es mit Ihrem Klassiker? Und macht die Einführung des Biosprits E10 überhaupt Sinn?

Die Einführung geht auf die Bestrebungen der EU-Kommission zurück, die bis zum Jahr 2020 immerhin 10 Prozent des für Verkehr genutzten Kraftstoffs aus pflanzlichen Quellen beziehen will. Damit will man primär den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß reduzieren. Deshalb wird dem auf Erdöl basierenden Benzin immer mehr Ethanol beigemischt. Denn dieser Alkohol basiert auf Getreide oder Zuckerrohr das im Wachstum genauso viel Kohlenstoffdioxid aufnimmt, wie später bei der Verbrennung abgegeben wird.

Zuckerrohr, Foto Robert Brenner / pixelio.de
Zuckerrohr, Foto: Robert Brenner / pixelio.de

Somit ist das Ganze natürlich irgendwie auch ein Taschenspieler-Trick. Dazu schafft die auf den ersten Blick ja durchaus sinnvolle Idee eine Menge Probleme. Denn immerhin 10 Prozent der Fahrzeuge, die am Verkehr teilnehmen, vertragen den höheren Ethanol-Anteil nicht. Bei ihnen kann es zu Korrosionsschäden im Motor kommen. Dazu ist vielfach ungeklärt, wie Dichtungen und Schläuche des Kraftstoffsystems mehr Ethanol vertragen. Interessanterweise sind dabei nicht nur Klassiker von diesen Problemen betroffen. Auch einige Alltagsfahrzeuge aus den späten 1990er-Jahren, die mit Glück der Abwrackprämie entgangen sind, bekommen mit E10 so ihre Probleme. Mitte November will die Deutsche Auto Treuhand (DAT) unter www.dat.de/e10 eine Liste mit allen verträglichen Fahrzeugen veröffentlichen.

Nun ist ja bekannt, dass die Politik in solchen Fällen gern ratlos bleibt, warum sich die Betroffenen nicht einfach neue Autos kaufen. Doch das Problem hat eine andere Dimension, und die EU-Kommission lässt sich auch durch zahlreiche Kritiker nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Dass der Verbrauch steigt, weil E10 eine geringere Energiedichte hat, nimmt man in Brüssel ebenso wie steigende Lebensmittelpreise in Kauf. Eine Studie des internationalen Instituts für Ernährungspolitik (IFPRI) sagt voraus, dass durch unseren Biosprit die Lebensmittelpreise im Zuckerrohr-Erzeugerland Brasilien steigen werden, weil Landwirte statt Mais oder Getreide lieber Zuckerrohr zur Ethanol-Produktion anbauen.

Eine Einschätzung, die sogar die EU-Umweltagentur teilt. Die offizielle europäische Umweltagentur (EEA) hat u.a. deshalb bereits Mitte des Jahres ein Überdenken der Strategie der Kommission gefordert. Das 10-Prozent-Ziel sollte so lange ausgesetzt werden, bis ein klareres Bild über die langfristigen Auswirkungen einer intensivierten Produktion von Biokraftstoffen schaffen. Sollte eine nachhaltige Produktion ohne negative Umwelt-Auswirkungen nicht sichergestellt werden können, dann müsse die EU-Kommission einen geringeren Wert für die Beimischung vorschlagen, forderte das wissenschaftliche Komitee der EEA in Kopenhagen. Und findet dabei Unterstützung bei der Weltbank, die davor warnt, dass eine ungebremste Biosprit-Produktion zu dramatischer Nahrungsmittelknappheit in ärmeren Weltregionen führen könnte.

Wenn man sich also etwas mehr mit dem Thema beschäftigt, wird schnell deutlich, dass es fast egal ist, ob wie der eigene Klassiker mit E10 umgehen kann. Die eigentlich Frage ist eine ganz andere! Und das Oldtimer-Revier schließt sich dem PS-Philosophen Bodo Buschmann an. Dem Brabus-Chef – selbst mit dem Tesla und Partner RWE auf einem ganz persönlich Ökötrip – wird nämlich die Frage zugeschrieben, ob es sinnvoll sei, den autobedingten CO² Ausstoß mit unfassbarem Aufwand um 0,02 % zu senken, wenn man gleichzeitig in chinesischen Flüssen seine Fotos entwickeln könne.

Bisher kommentiert:


1
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maispandau
Tuesday, den 30. November 2010 um 18:48
Nirgends,auch in keinem Fachblatt,ist zu lesen was ein Oldtimer nach 2013 tanken kann.Bedeutet E10 das baldige Ende  von Millionen Oldtimern ?
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Tobias
Wednesday, den 15. December 2010 um 20:29
Bobo B. trifft den Punkt!
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Anonymous
Saturday, den 08. January 2011 um 10:05
Alkohol reinigt die Leitungen und Düsen. Auf Dauer schädigt Alkohol die herkömmlichen Dichtungen im Ansaugbereich, lässt sie aufquellen und kann sie zerstören. Das gleiche kann bei Kunststoffleitungen passieren. Diese können hart werden und brechen.
Der grösste Nachteil jedoch ist der etwa 5-8 % Leistungsverlust des normalen Benzinmotors. Daß mit Alkohol die Oktanzahl und somit die Klopffestigkeit des Treibstoffes steigt ist bei Oldimotoren in der Regel irrelevant.
Hab seit 1969 mit Motoren zu tun. Die meisten Motoren haben bleifrei überlebt, sie werden auch die Bio-Fase überleben...
W. Kühnel (Techniker )
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Bernhard Hümmer
Saturday, den 15. January 2011 um 00:47
Der Verbrauch bei den Autos wird auch 10% höher, ist eine Steuererhöhung mit Umweg E10.
Wers nicht glaubt, fährt mal nach Österreich zum Tanken, o Wunder, der Wagen braucht weniger.
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S. Barth
Tuesday, den 18. January 2011 um 10:01
Moin,


hin oder her ist die ganze Angelegenheit eine riese frechheit und Abzocke!
Erst sind es 5 dann 10 und irgendwann dann 20% von dem Scheiss in unseren Tanks, wobei ich auch schon nagelneue Motoren gesehen habe wo die Koepfe wegen der hoeheren Verbrennungstemperaturen gerissen sind und das obwohl sogar Ethanolsensoren im Kraftstofffluss vorhanden sind!!! Also mal richtig vertraeglich ne?!

Fuer meine Oldtimer kann ich nur sagen: Auf keinen Fall e10...habe sowas mal in England getankt und bin keine 50km mehr weit gekommen weil der Kraftstoff so agressiv ist und die Tanks (wo sie eh schon angegriffen sind) anloest was zur Folge hat, dass man unmengen an Schwebstoffen und Dreck in der Leitung hat. desweitern werden natuerlich auch die alten MembranKraftstoffpumpen nicht unbedingt davon profitieren und rasch ihren Dienst quittieren. Ebenso wie Vergaser Dichtungen und Beschleunigerpumpen...

Also Danke nein!

Desweitern kann man , denke ich, in der heutigen Zeit nicht einfach Regenwaelder roden um Pflanzen fuer Kraftstoff anzubauen oder etwa statt Getreide Pflanzen fuer Sprit? Wohl kaum denkbar wenn man auch nur einen Funken von Gewissen uebrig hat.

Die Tatsache des hoeheren Verbrauchs kann ich nur bestaetigen, tankt man z.B. e85 steigt der Verbrauch um gut 1/3!!!

Wie kann es eigentlich sein das der Staat uns sozusagen vorschreibt was wir zu tanken haben oder was fuer Autos wir zu fahren haben ohne uns zu fragen? Mit Demokratie hat deutschland es schon lange nicht mehr...


Eigentlich wollte ich nur ein kures Kommentar abgeben, inzwischen rege ich mich so auf, dass ich jetzt lieber aufhoere und den Staat in Form von Tabaksteuer bereichere!

Schoenen tag noch!
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Anonymous
Monday, den 24. January 2011 um 23:58
Aral Ultimate 102 wird gänzlich ohne Ethanol angeboten.
Auch für gute alte Schätzchen.
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Michael
Monday, den 07. February 2011 um 08:18
Zitat: "Der Verbrauch bei den Autos wird auch 10% höher, ist eine Steuererhöhung mit Umweg E10."

Sorry, das ist Quatsch.
Der Brennwert von Ethanol ist 30% niedriger als der von Benzin. Bei einer 10%igen Beimischung sind es also 3% Mehrverbrauch. Allerdings werden schon länger dem Benzin 5% Ethanol beigemischt, es ist also kein ethanolfreies Benzin mehr im Handel. Gegenüber diesem "normalen" Sprit beträgt der Mehrverbrauch also gerade mal 1,5%.

Nicht, dass ich E10-Befürworter wäre -aber richtig argumentieren muss man schon.


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