In diesen Tagen häufen sich die Pressemitteilungen und Nachrichten über den Biospirt E10, der ab dem 1. Januar 2011 an unseren Tankstellen verfügbar sein wird. Immerhin 10 Prozent der Fahrzeuge können diesen Kraftstoff nicht vertragen. Wie steht es mit Ihrem Klassiker? Und macht die Einführung des Biosprits E10 überhaupt Sinn?
Die Einführung geht auf die Bestrebungen der EU-Kommission zurück, die bis zum Jahr 2020 immerhin 10 Prozent des für Verkehr genutzten Kraftstoffs aus pflanzlichen Quellen beziehen will. Damit will man primär den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß reduzieren. Deshalb wird dem auf Erdöl basierenden Benzin immer mehr Ethanol beigemischt. Denn dieser Alkohol basiert auf Getreide oder Zuckerrohr das im Wachstum genauso viel Kohlenstoffdioxid aufnimmt, wie später bei der Verbrennung abgegeben wird.
![]()
Zuckerrohr, Foto: Robert Brenner / pixelio.de
Somit ist das Ganze natürlich irgendwie auch ein Taschenspieler-Trick. Dazu schafft die auf den ersten Blick ja durchaus sinnvolle Idee eine Menge Probleme. Denn immerhin 10 Prozent der Fahrzeuge, die am Verkehr teilnehmen, vertragen den höheren Ethanol-Anteil nicht. Bei ihnen kann es zu Korrosionsschäden im Motor kommen. Dazu ist vielfach ungeklärt, wie Dichtungen und Schläuche des Kraftstoffsystems mehr Ethanol vertragen. Interessanterweise sind dabei nicht nur Klassiker von diesen Problemen betroffen. Auch einige Alltagsfahrzeuge aus den späten 1990er-Jahren, die mit Glück der Abwrackprämie entgangen sind, bekommen mit E10 so ihre Probleme. Mitte November will die Deutsche Auto Treuhand (DAT) unter www.dat.de/e10 eine Liste mit allen verträglichen Fahrzeugen veröffentlichen.
Nun ist ja bekannt, dass die Politik in solchen Fällen gern ratlos bleibt, warum sich die Betroffenen nicht einfach neue Autos kaufen. Doch das Problem hat eine andere Dimension, und die EU-Kommission lässt sich auch durch zahlreiche Kritiker nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Dass der Verbrauch steigt, weil E10 eine geringere Energiedichte hat, nimmt man in Brüssel ebenso wie steigende Lebensmittelpreise in Kauf. Eine Studie des internationalen Instituts für Ernährungspolitik (IFPRI) sagt voraus, dass durch unseren Biosprit die Lebensmittelpreise im Zuckerrohr-Erzeugerland Brasilien steigen werden, weil Landwirte statt Mais oder Getreide lieber Zuckerrohr zur Ethanol-Produktion anbauen.
Eine Einschätzung, die sogar die EU-Umweltagentur teilt. Die offizielle europäische Umweltagentur (EEA) hat u.a. deshalb bereits Mitte des Jahres ein Überdenken der Strategie der Kommission gefordert. Das 10-Prozent-Ziel sollte so lange ausgesetzt werden, bis ein klareres Bild über die langfristigen Auswirkungen einer intensivierten Produktion von Biokraftstoffen schaffen. Sollte eine nachhaltige Produktion ohne negative Umwelt-Auswirkungen nicht sichergestellt werden können, dann müsse die EU-Kommission einen geringeren Wert für die Beimischung vorschlagen, forderte das wissenschaftliche Komitee der EEA in Kopenhagen. Und findet dabei Unterstützung bei der Weltbank, die davor warnt, dass eine ungebremste Biosprit-Produktion zu dramatischer Nahrungsmittelknappheit in ärmeren Weltregionen führen könnte.
Wenn man sich also etwas mehr mit dem Thema beschäftigt, wird schnell deutlich, dass es fast egal ist, ob wie der eigene Klassiker mit E10 umgehen kann. Die eigentlich Frage ist eine ganz andere! Und das Oldtimer-Revier schließt sich dem PS-Philosophen Bodo Buschmann an. Dem Brabus-Chef – selbst mit dem Tesla und Partner RWE auf einem ganz persönlich Ökötrip – wird nämlich die Frage zugeschrieben, ob es sinnvoll sei, den autobedingten CO² Ausstoß mit unfassbarem Aufwand um 0,02 % zu senken, wenn man gleichzeitig in chinesischen Flüssen seine Fotos entwickeln könne.
Bisher kommentiert:
Tuesday, den 30. November 2010 um 18:48
Wednesday, den 15. December 2010 um 20:29
Saturday, den 08. January 2011 um 10:05
Saturday, den 15. January 2011 um 00:47
Tuesday, den 18. January 2011 um 10:01
Monday, den 24. January 2011 um 23:58
Monday, den 07. February 2011 um 08:18
Dein Kommentar?